Pressemitteilung zur Bürgerversammlung im Coburger Tageblatt vom 18.10.2019

Beiersdorfer wollen „Ortsmitte “

BÜRGERVERSAMMLUNG Die Zukunft der „Sommerwiese“ war eines der Themen, die am Mittwochabend im Schwarzen Bären zur Sprache kamen. Außerdem ging es um die Frage, ob in der Beiersdorfer Straße Parken auf dem Gehweg erlaubt werden soll.

VON UNSEREM REDAKTIONSMITGLIED SIMONE BASTIAN

Coburg — Zwei Dinge überraschten Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) bei der Beiersdorfer Bürgerversammlung im „Schwarzen Bären“: Die sechs Punkte der Tagesordnung waren nach einer Stunde abgehakt, und Hundekot war kein Thema. Sein häufig wiederholtes Zitat „des Oberbürgermeisters höchste Not sind Hundekot und Parkplatznot“ musste Tessmer diesmal nicht anbringen. Parkplätze waren jedoch ein Thema, denn in der Beiersdorfer Straße ist das Parken nur auf einer Seite und neben dem Gehweg erlaubt. Voll wird es hier vor allem bei Veranstaltungen im „Schwarzen Bären“ direkt nebenan, aber tagsüber parken dort nur wenige Fahrzeuge, und auf der Fahrbahn bleibe ausreichend Platz, sagte Kai Holland, Leiter des Ordnungsamts. Er sehe deshalb keine Veranlassung, diese Regelung zu ändern, vor allem, weil sich die Stadt „sehr kulant“ verhalte, wenn bei Veranstaltungen auf der anderen Straßenseite oder mit zwei Rädern auf dem Gehweg geparkt

werde. Stadtrat in der Pflicht Doch die Beiersdorfer wollen einen Teil des breiten Bürgersteigs den parkenden Autos überlassen. Bürgervereinsvorsitzender Oliver Lederer formulierte den Antrag, dem die große Mehrheit im voll besetzten Saal zustimmte: An der Nordseite der Beiersdorfer Straße soll halb auf dem Gehweg geparkt werden dürfen. Mit diesem Antrag aus der Bürgerversammlung muss sich der Stadtrat innerhalb der nächsten drei Monate befassen. „Meine Kinder fahren auf dem schönen breiten Gehsteig Roller und Inliner“, seufzte eine Beiersdorferin, die sich freilich zur Minderheit zählen musste. Ansonsten gab es eher den Wunsch: Ändert nichts! Weder halten die Beiersdorfer den weiteren Ausbau des Naherholungsgebiets am Goldbergsee für notwendig, wo der Bebauungsplan noch Sportfelder und Ähnliches vorsieht. Noch wollen sie ein Baugebiet auf der Sommerwiese mitten im Ort. Das Stadtplanungsamt hatte diesen Vorschlag gemacht und den Hinweis erhalten, doch erst in Beiersdorf nachzufragen, was dort gewünscht sei. Hintergrund ist, dass es für den Bereich Spielplatz/Sommerwiese einen Bebauungsplan gibt, der sich aber überholt hat. Vorgesehen war dort ein Neubau für den Kindergarten, doch dann entschied sich die Kirchengemeinde, am alten Standort neu zu bauen. DasIntegrierte Stadtentwicklungskonzept für Coburg sieht an dieser Stelle einen „Dorfmittelpunkt“ mit Festplatz und Bürgerhaus vor. Diese Idee solle weiter verfolgt werden, bekräftigte Oliver Lederer. Vorstellbar sei aber, dass der Spielplatz am Südende des jetzigen Areals konzentriert wird, so dass auf der ebenen Fläche unter den Bäumen ein Festplatz eingerichtet werden kann. Ein Bürgerhaus und Mehrgenerationenwohnen stehen auch noch auf der Wunschliste, und die restlichen Flächen könnten Bauplätze werden. Ein neuer Bebauungsplan, der diese Wünsche berücksichtigt, soll nächstes Jahr in Angriff genommen werden, sagte Christina Schug vom Stadtplanungsamt. Aber Geld, um diesen Plan umzusetzen, steht in den nächsten Jahren voraussichtlich nicht zur Verfügung.

Der Spielplatz neben der Sommerwiese soll bleiben, der Bereich dahinter könnte Festplatz werden, und „Mehrgenerationenwohnen“ sollte in der Beiersdorfer Ortsmitte auch vorgesehen werden. Das sind die Wünsche der Beiersdorfer an einen neuen Bebauungsplan für diesen Bereich. Der jetzt gültige Plan sieht noch einen Kindergarten vor, doch der hat sich erledigt. Foto: Simone Bastian

Bahn- und Bushaltestelle

Coburg — Die Bahn will im nächsten Jahr den Haltepunkt am früheren Bahnhof Beiersdorf wiederherstellen und mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 in Betrieb nehmen. Darüberinformierte Verkehrsplanerin Katja Link. Für die Stadt stellt sich in diesem Zusammenhang das Problem, dass sie für Park- und Fahrradstellplätze sorgen muss. Da nicht erwartet wird, dass viele Beiersdorfer mit dem Auto zum Haltepunkt fahren, um von dort mit dem Zug nach Coburg zu fahren, wurde nun mit dem TSV Beiersdorf vereinbart, dass dieser probeweise seinen Parkplatz zur Verfügung stellt. Katja Link sprach von einem Jahr Probezeit, dann müsse klar sein, wie viele Bahnfahrer Parkplätze brauchen. Immerhin erwartet die DB Station und Service 160Ein- und Aussteiger in Beiersdorf. So viele sind es an der Bushaltestelle Ulmenweg nicht: etwa 30 am Tag. Für die Gehbehinderten unter ihnen stellt sich aber das Problem, dass der Bus die Haltestelle nicht so anfahren kann, dass von jeder Tür aus die Bordsteinkante leicht erreichbar ist. Entweder es bleibt eine Lücke zwischen Tür und Bordstein, oder der Bus ragt mit dem Heck in die Fahrbahn. Menschen mit Krücken oder Rollatoren haben es da schwer. Ein behindertengerechter Ausbau mit hohem „Kasseler Bord“ ist zwar für alle städtischen Bushaltestellen vorgesehen, aber das Ausbauprogramm setzt Prioritäten. Oberbürgermeister Norbert Tessmer versprach aber, den Verkehrsbetrieb für das Thema „zu sensibilisieren“. Vielleicht könne der Ausbau der Haltestelle Ulmenstraße vorgezogen werden. Sb

Hoffen auf die Staatsstraße

Coburg — Auf der einen Seite der Goldbergsee mit der Zufahrt zum Parkplatz, auf der anderen Seite das Baugebiet mit der Zufahrt zum Callenberg. So präsentiert sich der Anfang von Beiersdorf, wenn man von Coburg kommt – und dort ist Tempo 70 erlaubt. Das Ortsschild bis dorthin zu versetzen, sei rechtlich nicht möglich, sagte Ordnungsamtsleiter Kai Holland. Die Ortstafel markiert den Beginn der „geschlossenen Bebauung“, und die ist dann gegeben, wenn die Zufahrt zu den Anwesen direkt von der Straße aus erfolgt. Auch sei es nicht möglich, an den Ortseingängen von Beiersdorf mit weiteren baulichen Maßnahmen den Verkehr zu bremsen. Verbesserungen erhofft sich Ordnungsamtsleiter Kai Holland aus der Tatsache, dass die Umgehung (Staatsstraße 2205) irgendwann in Betrieb gehen wird. Dann wird erwartet, dass sich die Zahl von 12 000 Fahrzeugen pro Tag in Beiersdorf halbiert. Ausgebaut werden soll die Straße Zum Sulzbach, weil sie erneuert werden muss. Die Pläne würden in einer der nächsten Sitzungen des Bau- und Umweltsenats vorgestellt, kündigte Verkehrsplanerin Katja Link an. An einen Ausbau der „Wildbahn“ (Beiersdorfer Straße zur CO 4) ist jedoch nicht gedacht. Gerhard Knoch (CEB) räumte zwar ein, dass dort jedes Jahr mehrmals neu geschottert werden müsse, Kosten „zwischen 10 000 und 30 000 Euro“. Seiner Schätzung nach würde ein Ausbau (asphaltiert, drei Meter breit) etwa 450000 Euro kosten. „Die zurzeit in keiner Finanzplanung vorgesehen sind“, wie OB Tessmer ergänzte. Sb

„Putzen“ steht nicht in der Satzung

Coburg — Einen Tag vor der Bürgerversammlung hatte der Finanzsenat 60 000 Euro freigegeben, damit am Goldbergsee-Parkplatz bei Beiersdorf ein WC-Container aufgestellt werden kann. Die Reinigung übernimmt der CEB-Stadtservice. Die Fraktion der Grünen, von der der Antrag kam, hatte noch vorgeschlagen, dass der Bürgerverein Beiersdorf sich um das Reinigen der Toilette kümmern könne. Beim Bürgervereinsvorsitzenden Oliver Lederer kam dieser Vorschlag aber gar nicht gut an. Er verwies auf die satzungsgemäßen Aufgaben des Vereins wie die Belange von Beiersdorf zu vertreten und Heimatkunde. „Die Anregung, dass eine Toilette installiert wird, ist Aufgabe des Vereins. Aber ob der Unterhalt unser Thema ist – darüber sollte man nachdenken.“ Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) wurde noch deutlicher: „Ein solcher Blödsinn liegt bei mir im geflochtenen Ausgangskorb“ und „über die Betreuung einer Toilette durch den Bürgerverein reden wir überhaupt nicht mehr.“

Gute Nachricht zum Schluss

Coburg — Am Ende der Versammlung wurde Norbert Tessmer persönlich: Es sei seine letzte Bürgerversammlung in Beiersdorf in der Funktion als Oberbürgermeister, sagte der 66-Jährige. Aber hier habe seine Karriere als Kommunalpolitiker ihren Anfang genommen. „Ich werde dem Stadtteil Beiersdorf immer zur Verfügung stehen.“ Der Beifall für diese Erklärung war so stark wie für eine andere, die Tessmer etwa eine halbe Stunde vorher abgegeben hatte: Es wird keinen Flugplatzbau bei Neida geben und damit auch keinen Anflugverkehr über Beiersdorf. Die Verlängerung der Anflugbefeuerung auf der Brandensteinsebene wurde genehmigt, im Frühjahr 2020 soll der Flugplatz Bamberg für den Instrumentenflug ertüchtigt werden. Mit dieser Kombilösung kommt die regionale Wirtschaft aus, die eigene Flugzeuge für Geschäftsflüge einsetzt. Deshalb habe die Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz Coburg den Planfeststellungsantrag für einen neuen Flugplatz im September zurückgenommen; die Gesellschaft selbst werde demnächst aufgelöst, fasste Tessmer den Sachstand zusammen. sb